Stuttgarter Zeitung

BÖBLINGEN. Die Bürgerstiftung will bekannter werden. Wegen der niedrigen Zinsen sind Spenden gefragt.

Von Gerlinde Wicke-Naber

Seit zehn Jahren gibt es in Böblingen die Bürgerstiftung, die zahlreiche soziale, sportliche und kulturelle Projekte unterstützt. Doch so richtig bekannt ist die Stiftung noch nicht in der Stadt. Das soll sich nun ändern. „Wir gehen in die Offensive, wollen uns bekannt machen“, sagt Michael Fritz, der Vorstandsvorsitzende. Dabei wolle man zeigen, dass die Bürgerstiftung nicht nur Geld verteile. „Wir wollen uns als Plattform für bürgerschaftliches Engagement präsentieren“, gibt Michael Fritz die neue Strategie vor.

Der Anfang ist mit einer neuen Homepage gemacht. Darauf stellt die Bürgerstiftung einige ihrer Projekte vor. Neue Zustifter und Spendenwillige können sich sofort online melden. Für Bürger, Vereine und Organisationen, die einen Zuschuss für ein Projekt wünschen, gibt es ein Antragsformular, das man sich herunterladen kann.

Neue Marketing-Strategie

Erstmals fördert die Bürgerstiftung in diesem Jahr das Comedy-Festival Mechthild der Kultourmacher vom Alten Amtsgericht am dritten Adventssamstag. Auch das ist Teil der neuen Marketing-Strategie. „Damit wollen wir uns neue Zielgruppen erschließen, die uns vielleicht noch gar nicht kennen“, sagt Fritz. Im Januar steht dann das Konzert der Jugendmusikkapelle Dagersheim an, deren Jugendarbeit die Stiftung fördert.

Insgesamt hat die Böblinger Bürgerstiftung in den vergangenen zehn Jahren 84 Projekte in der Stadt bezuschusst. 282 891 Euro flossen. Dazu gehören etablierte Projekte wie die Schwimmschule der Sportvereinigung (SV) Böblingen, die Schwimmkurse für Drittklässler anbietet, da laut einer Erhebung 42 Prozent der Grundschüler nicht schwimmen können. Die Rollstuhlfechter der SV Böblingen erhielten Geld für Schürzen mit Sensoren, die die Treffer registrieren. Ein neues Projekt sind Sprachkurse für Flüchtlinge. „Diese sind durch unsere Vernetzung mit Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe entstanden“, sagt Richard Kriegbaum vom Vorstand. Das ehrenamtliche Netzwerk auch zu anderen Gruppen wollen die Verantwortlichen weiter ausbauen.

Das Stiftungsvermögen beträgt im Moment eine Million und knapp 144 000 Euro. 71 Stifter – Firmen, Privatpersonen sowie die Stadt Böblingen – haben dieses zu Verfügung gestellt. Mit den Zinserträgen werden die Projekte gefördert. Da man noch einige Geldanlagen aus früheren Jahren habe, würden pro Jahr etwa 25 000 bis 30 000 Euro ausgeschüttet, berichtet der Geschäftsführer Ralf Priester. „Doch die schwierigen Jahre kommen ab 2018 auf uns zu“, sagt der Vorstandschef Fritz. „Dann werden wir wegen des niedrigen Zinssatzes kaum Erträge haben.“

Deshalb setzt die Stiftung seit einigen Jahren auf Spenden. Diese jedoch schwanken stark. 42 154 Euro waren es im Spitzenjahr 2008, nur 4575 Euro in diesem Jahr. Um das Spenden attraktiver zu machen legt die Stadt von sofort an für jeden gespendeten Euro 50 Cent drauf. Bei Zustiftungen galt das bisher schon. Die Verwaltungskosten seien minimal. „Dieses Jahr fielen 2000 Euro für die Neugestaltung der Öffentlichkeitsarbeit an. Dafür gab es eine zielgerichtete Spende“, sagt der Oberbürgermeister Wolfgang Lützner. Aber es gebe auch Jahre ganz ohne Verwaltungskosten.

Sindelfinger Stiftung besser gestellt

Die Geschäftsführung erledigt Ralf Priester, im Rathaus zuständig für die Stadtkasse, nebenbei. Zwei Stunden pro Woche ist er dafür freigestellt, investiert aber noch einige Stunden ehrenamtlich. Professioneller handhabt das die Konkurrenz aus Sindelfingen, die sich eine hauptamtliche Geschäftsführerin leistet. Regine Göppners 70-Prozent-Stelle wird von der Stadt bezahlt. „Deshalb können wir auch eigene Projekte durchführen“, sagt sie. Göppner sieht dies als Grund für den hohen Bekanntheitsgrad der Sindelfinger Stiftung, obwohl diese erst acht Jahre alt ist.

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