Kreiszeitung Böblinger Bote

Kindersport: Bei der fünften Auflage von „Schwimmen – ich lern’s“ ist die Nachfrage so groß wie nie.

Zwölf Kinder in bunten Badehosen und Bikinis planschen fröhlich durch das brusttiefe Wasser im Murkenbach-Anbau. Alle haben Schwimmgürtel um die Hüften geschnallt, die sie über Wasser halten, obwohl die Dritt- und Viertklässler in einem Alter sind, in dem sie schon schwimmen können sollten. Eigentlich.

Von Hanna Sophie Mast

BÖBLINGEN. Es ist längst nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder nach dem Laufen und Fahrradfahren auch noch Schwimmen lernen. Im Gegenteil: 2011 hat eine Umfrage an den Böblinger Grundschulen ergeben, dass von knapp 800 Schülern in der ersten und zweiten Klasse nach eigenen Angaben 134 Schüler gar nicht und 200 Schüler nur schlecht schwimmen können.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fand in der vergangenen Woche bereits zum fünften Mal das Projekt „Schwimmen – ich lern’s“ statt. Es ist ein Projekt der Bürgerstiftung und der Kreissparkasse Böblingen, der Schwimmschule des Kindersports und der Abteilung Schwimmen der Sportvereinigung Böblingen. 48 Kinder können hierbei sechs Tage hintereinander ins Murkenbachbad kommen, um für eineinhalb Stunden an einem Anfänger-Schwimmkurs teilzunehmen. Die Kosten werden von der Bürgerstiftung und der Kreissparkasse übernommen. In diesem Jahr war die Nachfrage so groß wie noch nie.

Fast 90 Anmeldungen für die 48 vorhandenen Plätze

Fast 90 Interessenten gab es für die 48 Plätze. Auch sonst sind die Wartezeiten für die Anfänger-Schwimmkurse in Böblingen lang, manchmal bis zu anderthalb Jahre. Christine Häberle ist Schwimmlehrerin und Leiterin der Schwimmschule Böblingen. Sie beobachtet den Rückgang der schwimmfähigen Grundschüler mit wachsender Sorge – und kann doch nicht wirklich dagegen angehen. „Der Bedarf ist da“, bestätigt sie. „Aber wir sind als Schwimmschule am Limit.“ In ihren Augen wäre es am besten, wenn Kinder schon im ersten Grundschuljahr schwimmen lernen müssten und nicht wie vielerorts üblich erst in der dritten Klasse. So läge die Verantwortung nicht mehr allein bei den Eltern, die oft selbst nicht gern schwimmen gehen und daher die Notwendigkeit eines Kurses für ihre Kinder gar nicht sehen. Das Projekt „Schwimmen – ich lern’s“ setzt genau dort an und bietet für Grundschüler, die im Schulschwimmen nicht mitkommen oder vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule unbedingt noch schwimmen lernen müssen, die Möglichkeit zu einer Art kostenlosem Crash-Kurs. Möglich macht das auch eine jährliche Spende, die am vergangenen Samstag im Freibad wieder an die Organisatoren übergeben wurde. Dass jedes Kind für sich in der einen Woche Schwimmkurs große Fortschritte gemacht hat, ist für Christine Häberle die Bestätigung dafür, dass das Geld gut angelegt ist.

„Je älter die Kinder sind, desto schwieriger wird es, ihnen die Angst vor dem Wasser zu nehmen“ Christine Häberle, Leiterin der Böblinger Schwimmschule, über die Problematik, wenn Kinder erst spät schwimmen lernen.

Jetzt hüpft die Schwimmlehrerin zu ihren Schülern ins Wasser. Sie bilden einen Kreis und tauchen alle gemeinsam den Kopf unter Wasser. Einem Jungen scheint das nicht so ganz geheuer zu sein. Er lässt den Kopf lieber über der Wasseroberfläche und hält sogar schützend die Hände vors Gesicht, als die anderen Kinder anfangen, wild mit Wasser herumzuspritzen. Christine Häberle weiß um die Angst des Viertklässlers vor dem für ihn noch ungewohnten Element. Sehr einfühlsam versucht sie den Jungen dazu zu ermutigen, auf die Tragkraft des Wassers zu vertrauen und die Füße vom Boden zu lösen. Aber die Angst ist einfach zu groß. „Je älter sie sind, desto schwieriger wird es, ihnen die Angst vor dem Wasser zu nehmen“ , sagt die 33-Jährige ernst. „Dabei ist Wasser etwas Schönes. Das muss sich bei den Kindern so abspeichern.“

Als nächstes sollen die Schwimmschüler alle raus aus dem Becken und sich eine bunte Schwimmnudel nehmen. Die kommt bei jedem Kind um den Bauch. Vom Beckenrand aus macht Häberle vor, wie die Kinder sich bewegen sollen. „Die Arme weit nach vorne strecken und das Wasser fest nach hinten wegschieben. Und mit den Beinen schlagen wie ein Frosch!“ Beim zweiten Durchgang sollen es die Kinder ohne Schwimmnudel probieren. Jetzt schauen nur noch die Köpfchen aus dem Wasser, ganz in den Nacken gelegt, viele blasen vor Anstrengung die Backen auf und produzieren beim Ausatmen einen kleinen Sprühregen vor den Lippen. Arme vorstrecken, Wasser wegschieben. Froschbeine. Geht doch schon ganz gut.

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